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Hypertonie-Leitlinie der Deutsche Hochdruckliga
Hart ins Gericht mit hohem Blutdruck

WIESBADEN – Am schönsten wäre es, wenn man für diffizile Therapien einfache „Kochrezepte“ zur Hand hätte. Solche würden die Leitlinienexperten der Hochdruckliga ihren niedergelassenen Kollegen auch gern liefern, nur geht das bei der Hypertonie leider nicht.

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Ganz allgemein soll man mit dem Bluthochdruck nach der aktuellen Leitlinie hart ins Gericht gehen: Unter 130/80 mmHg heißt heute das ehrgeizige Ziel für Diabetiker und andere Kandidaten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko (etwa durch koronare Herzkrankheit oder andere Endorganschäden). Bei Niereninsuffizienz und Proteinurie > 1 g/Tag liegt die Schallmauer derzeit sogar bei 125/75 mmHg.

Auch bei Senioren lege artis vorgehen

Besonderen Wert legen die Herz- Kreislauf-Experten auch auf eine intensive Blutdrucksenkung betagterer Patienten. Die verfügbaren umfangreichen Daten belegen, dass auch bei Bluthochdruckkranken über 60 Jahre die Sterblichkeit sinkt, wenn die arterielle Hypertonie konsequent behandelt wird. Und auch bei über 80-Jährigen wird ein Lege-artis-Vorgehen gefordert, um die kardiovaskuläre Sterblichkeit und die Schlaganfallmortalität zu mindern: Hypertonus- Patienten über 70 oder 80 Jahre müssen genauso sorgfältig eingestellt werden wie jüngere.

Zur Pharmakotherapie werden in der deutschen Leitlinie nach wie vor fünf Substanzklassen – Diuretika, Betablocker, Kalziumantagonisten, ACE-Hemmer und Angiotensin II Typ1(AT1)-Rezeptorblocker – empfohlen. Auf Grund der Erkenntnis, dass man in einer Vielzahl der Fälle ohnehin mit einer Substanz nicht auskommt, wird heute zunehmend die Monotherapie als erste Stufe übersprungen.

Denn über dem sukzessiven Ausprobieren mehrerer – nicht genügend wirksamer Monotherapien – können mitunter Wochen und Monate vergehen. Da brechen nicht wenige der frustrierten Patienten die Therapie dann ganz ab. Die unbefriedigende Situation, dass immer noch die Mehrzahl der Hypertoniker weit ab vom Zielbereich mit viel zu hohen Werten herumläuft, verlangt nach neuen Strategien, wie die Hochdruckexperten immer wieder betonen.

Um hier Fortschritte zu erreichen, setzen sie verstärkt auf das Kombikonzept. Man beginnt – v.a. ab einer Hypertonie Grad 2 – gleich mit einer niedrig dosierten Zweierkombination.

Nieder mit dem Blutdruck, egal wie?

Dabei ist es zunächst entscheidend, dass das Blutdruckziel erreicht wird, welche Substanzen dafür verwendet werden hängt von individuellen Gegebenheiten ab. Alle fünf Substanzklassen eignen sich zur Kombinationstherapie. Die Auswahl richtet sich nach verschiedenen Faktoren wie eventuell vorhandenen Endorganschäden, Begleiterkrankungen und Begleittherapien.

So sollen z.B. Patienten mit Diabetes mellitus, metabolischem Syndrom, Übergewicht (v.a. Bauchfettleibigkeit) oder Fettstoffwechselstörungen möglichst keine Betablocker, Diuretika oder deren Kombination erhalten. Bei KHK, Herzinsuffizienz oder nach Infarkt wirkt sich der Betablocker im Team hingegen prognostisch günstig aus.

Bei Patienten mit Nierenerkrankungen, so heißt es in der Leitlinie weiter, kommt es nicht nur darauf an, dass man den Blutdruck aggressiv senkt, sondern auch darauf, dass das Renin-Angiotensin- System wirksam blockiert wird. Weitere Anforderungen an eine wirksame, compliancefreundliche Hochdrucktherapie lauten:

  • ein besonderes Auge auf die Nebenwirkungen haben, da diese häufig zum Therapieabbruch führen
  • eine zuverlässige Blutdrucksenkung über 24 Stunden gewährleisten, und dies durch Blutdruckmessung vor der Morgen-Dosis (oder durch ABDM) überprüfen
  • Antihypertensiva bevorzugen, bei denen die 24-Stunden-Wirkung mit einer Tablette (compliancefördernd!) erzielt werden kann.

CG/red

 

SK

© MMA, Medical Tribune • 43. Jahrgang • Nr. 11/2011, Foto: Bilderbox.com